VUCA – das Modewort für Management und Beratungsgesellschaften 2 Kommentare

Wie wir auf intelligente Art beeinflusst werden und was Führungskräfte wirklich beachten müssen!

VUCA, VUCA, VUCA. Nein dies ist kein moderner Schlachtruf für Führungskräfte oder Verkäufer.
VUCA ist vielmehr ein Modewort geworden, für das moderne Management und vor allem für Beratungsgesellschaften.

Häufig werden mit VUCA die aktuellen Auswirkungen der digitalen Transformation erklärt.

Laut Wikipedia ist V.U.C.A ein Akronym für die Begriffe

  • Volatility (Volatil)
  • Uncertainty (Ungewiss)
  • Comlexity (Komplex)
  • Ambiguity (Mehrdeutig)

Auch ich bin davon Überzeugt, dass VUCA unseren aktuellen Status Quo in Gesellschaft und Wirtschaft sehr gut beschreibt.

Der Begriff entstand in den 1990er Jahren in einer amerikanischen Militärhochschule und diente zunächst dazu, die Welt nach dem Ende des kalten Kriegs zu beschreiben. Später breitete der Begriff sich auch in andere Bereiche strategischer Führung aus.

Es lohnt sich daher die Begriffe einmal näher anzuschauen:

Volatil: Volatilität beschreibt grundsätzlich einen Prozess der Unbeständigkeit im Zeitablauf. Gemeint ist damit, dass sich Änderungen in unserer Umwelt immer häufiger, in kürzeren Zeitabschnitte und immer extremer gestalten.

Beispiele:

  1. Mobilität: Das anstehende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in den Ballungszentren
  2. Internethandel: Veränderung des Einkaufsverhaltens des Konsumenten
  3. Künstliche Intelligenz: Welche Berufe haben noch Zukunft?
  4. Internet der Dinge bzw. Produktion 4.0: Was bedeutet dies für Datensicherheit?
Ungewiss: Wir können immer weniger Vorhersagen über zukünftig zu erwartende Ereignisse treffen, d.h. es herrscht ein Mangel an Berechenbarkeit und das Gefühl, dass Veränderungen scheinbar aus dem Nichts erfolgen.
Komplexität: Durch Globalisierung, Entwicklung der Digitalisierung, interkulturelle Verschiedenheiten sind wirtschaftliche Kreisläufe zu komplexen Gebilden geworden. Eine Handlung hat Auswirkungen in viele Bereiche. Durch komplexe Verknüpfungen ist es nicht mehr möglich zu sagen, welche Handlung was genau ausgelöst hat, was die Ursache, was die Wirkung ist. Statt sich linear in eine Richtung zu bewegen, ist es notwendig geworden, in viele Richtungen zu denken.
Ambiguität: Einfach ausgedrückt, bedeutet Ambiguität Mehrdeutigkeit, d.h. ist eine Situation Teil eines komplexen Netzwerks, welches wiederum nicht stabil ist, weil es sich kurzfristig jeder Zeit ändern kann, so sind auch die dazugehörigen Informationen mehrdeutig und unter verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Was in einer Situation funktioniert hat (Best Practice), kann das nächste Mal schiefgehen. Es lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen, was vorliegende Fakten für die Zukunft bedeuten oder welche Handlungen aufgrund einer Faktenlage zu erfolgen haben.

Wenn unser wirtschaftliches, politisches und soziales Leben nun durch diese vier Begriffe erklärt wird, ist es verständlich, dass unser persönlicher Blickwinkel auf diese Umstände optimistisch oder pessimistisch sein kann.

Bedingt dadurch bekommt Führung und Management in Unternehmen eine immer größere Bedeutung. Ähnlich wie Eltern ihren Kindern Halt geben, muss dies die Hauptaufgaben von modernen Führungskulturen in Unternehmen werden bzw. sein. Das Management muss den Mitarbeitern also Halt geben.

Wenn der Veränderungsprozess immer schneller wird, ist es Aufgabe des Managements den Mitarbeitern Visionen zu geben und notwendige Veränderungen in den Unternehmen schrittweise und stetig umzusetzen.

Wenn Ungewissheit zu starrem Verhalten in der Unternehmenskultur wird, gilt es durch das Management ein breites Verständnis zu schaffen und Zusammenhänge zu erklären.

Wenn die Komplexität steigt und Aufgabenüberschneidungen in Arbeitsabläufen entstehen und somit die Produktivität sinkt, gilt es durch das Management Klarheit zu schaffen.

Wenn die Abweichung zwischen dem Ist- und Soll-Zustand bei der Unternehmensentwicklung zu Zweifeln und Vertrauensverlusten bei den Mitarbeitern führt, so gilt es eindeutige Entscheidungen durch das Management zu treffen und diese Entscheidungen zeitnah umzusetzen.

Mit all diesen vier Punkte beschäftigt sich aktuell eine Vielzahl an Managementliteratur. Eine Bewertung der unzähligen Literatur soll an dieser Stelle nicht gemacht werden. Es soll vielmehr auf einen wesentlichen Aspekt bei der Bewertung von Managementliteratur vorgenommen werden.

Eine Vielzahl an Managerliteratur ist nach folgender Struktur aufgebaut:

  1. Es werden erfolgreiche Unternehmen nach bestimmten Merkmalen untersucht und statistische Erhebungen vorgenommen.
  2. Darauf aufbauend wird zusammengefasst, was erfolgreiche Unternehmen auszeichnet.
  3. Es wird als Fazit herausgestellt, dass wenn Sie sich nach diesem Muster verhalten, Ihr Unternehmen automatisch erfolgreich ist.

Dies mag gut sein für die Verkaufszahlen, aber im Regelfall schlecht für den Leser. In der Psychologie wird dieses Vorgehen als Halo-Effekt beschrieben, weil ein positives Merkmal so deutlich in den Vordergrund geschoben wird, dass es alle anderen Faktoren überdeckt bzw. in den Schatten stellt. Die Wahrnehmung des Lesers wird so maßgeblich beeinflusst. Phil Rosenzweig hat dieses Phänomen in seinem Buch „Der Halo-Effekt“ ausgiebig beschrieben.

Heinz Jiranek gibt in seinem Buch „Klug zweifeln – weil der zweite Gedanke oft der bessere ist.“ sinnvolle Hinweise zur Bewertung von Managementliteratur:

Gute Literatur zum Thema Management sollten folgende Punkte erfüllen:

  1. Erkenntnisse sollten nicht als Lösungen verkauft werden
  2. Eine Übertragung der Ergebnisse auf jede Gegebenheit wird in Frage gestellt, d.h. die beschriebenen Erkenntnisse, die Methode oder Strategie kann, muss aber nicht immer zum beschriebenen Ergebnis führen.
  3. Unterschiedliche Umsetzungsmöglichkeiten werden aufgeführt
  4. Es wird nicht nur die Handlungsempfehlung ausgesprochen im Buch, sondern es wird auch aufgeführt warum diese Empfehlung sinnvoll ist.

In dem Sinne und beste Grüße – mit Motivation, die bleibt
Rolf Bielinski

Über Rolf Bielinski

Bei Rolf Bielinski profitieren Sie von seiner über 20-jährigen Berufspraxis als Verkäufer und Manager in der Dienstleistungs- und Investitionsgüterindustrie. Besonders seine fundierten Praxiserfahrungen beim Auf- und Ausbau von Verkaufsstrukturen werden von seinen Kunden sehr geschätzt. Heute vermittelt er seine Erfahrung beim Martin Limbeck Training Group. Hier geht es zum Trainerprofil von Rolf Bielinski.

2 Gedanken zu “VUCA – das Modewort für Management und Beratungsgesellschaften

  1. AvatarKarin Sebelin

    Lieber Herr Bielinski, lieber Herr Limbeck,

    ein interessanter Artikel.

    Beim Lesen fand ich folgendes inspirierend:

    „Gute #Literatur zum Thema #Management sollte folgende Punkte erfüllen:
    Erkenntnisse sollten nicht als Lösungen verkauft werden.“

    RICHTIG!

    So oft lesen wir Bücher mit vorgefertigten Lösungen und Lösungswegen.

    Wir sollten nie universellen Lösungen folgen!

    Ein gutes Buch regt an zur #Selbstreflexion, bietet #Inspirationen und #Ideen.

    WIR SOLLTEN STETS UNSERE EIGENEN GESETZE, REGELN UND TRENDS SETZEN!

    Herzliche Grüße

    Karin Sebelin

    Reply
  2. AvatarMARKUS V. BURKAT

    VUCA – das Wort war mir nicht geläufig, aber was dahinter steckt predige ich meinen Studenten. Es geht nicht um das Auswendiglernen und Anwenden von starren Strukturen. Guter Beitrag!

    Reply

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