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EXPERTEN-TIPP Juni 2015

Anlässlich des gerade hinter mir liegenden Club 55 Treffens möchte ich gerne einen Blick zurückwerfen. Ich weiß noch genau, wie alles anfing. In einer Branchenzeitschrift las ich einmal die ganzseitige Anzeige eines Trainers, eines Wettbewerbers. Unten stand: »Mitglied im Club 55«. Ich hatte keine Ahnung, was das sein sollte.

Aber weil ich frech genug war, rief ich ihn einfach an und fragte ihn: »Was ist der Club 55?« Er klärte mich auf und erzählte mir vom Mythos dieser legendären, elitären Gesellschaft, gegründet vom damals Besten der Welt: Heinz Goldmann. Die absolute Koryphäe, der Papst der Verkaufstrainer. »Das ist der Zusammenschluss der besten Verkaufstrainer Europas «, klärte mich der Kollege auf. »Die besten Europas? Warum bin ich da nicht drin?«, fragte ich. Er lachte: »Das geht nicht so einfach. Eintreten kann man in diesen Club nicht. Sie brauchen zwei Paten, die Sie vorschlagen. Dann werden Sie eingeladen zum Jahrestreffen und müssen dort einen Vortrag halten. Die Gemeinschaft entscheidet dann, ob Sie aufgenommen werden.« Ich: »Da muss ich rein!« Er: »Ok. Ich schau mal, was ich machen kann.« Frechheit siegt.

Ich konnte in der Tat zwei Mitglieder des Clubs ausfindig machen, die mich kannten, mich gut fanden und sich für mich einsetzen wollten. Ich hatte meine Paten, die Sache lief. Einige Zeit später schickte mir der damalige Präsident Hans-Uwe L. Köhler eine Einladung zum Jahrestreffen. Ein Jahr später war ich da: Vortanzen! Meine Paten hatten für mich geworben. Wie ich später hörte, war der Präsident von Anfang an skeptisch gewesen: Limbeck? So ein Greenhorn! Den kennt ja kein Schwein … Aber hier war ich und sollte am nächsten Tag meinen Vortrag halten. Ich hatte keine Ahnung, wie das geht, mit Vorträgen hatte ich keine Erfahrung.

Ich kam in den Raum, wo lauter ehrenwerte und verdiente Recken der Branche saßen und standen und sich gegenseitig begrüßten. Ich kannte niemanden, war mit meinen 32 Jahren eindeutig der jüngste. Kurz nach mir betrat der berühmte Heinz Goldmann den Raum. Am Tag zuvor hatte ich ihn schon kennengelernt, auf einem Kongress, den der Club 55 veranstaltet hatte, um die Clubkasse aufzubessern. Ich saß in der ersten Reihe und neben mir war noch ein Platz frei – und Heinz Goldmann setzte sich zufällig neben mich. Und ich? War enttäuscht: Dieser kleine Mann soll der beste Verkaufstrainer der Welt sein? Er hatte eine altmodische braune Siebzigerjahrekrawatte, trug eine alte Hornbrille wie Yves Saint Laurent. Seine komischen Slipper waren an der Naht aufgeplatzt. Ich dachte: Mann, der sieht ja aus wie ein Penner!

Was ich noch nicht gemerkt hatte: In dieser Liga, in der ich ein Nobody war, beurteilst du die Menschen nicht mehr nach ihrem Äußeren. In dieser Liga hast du Respekt und verdienst dir Respekt durch Können. Nicht durch Tricks und schönen Schein.

Heinz Goldmann war also auch da und gab eine kurze Kostprobe. Er ging nach vorne, zog sein Sakko aus, krempelte die Ärmel hoch … im Raum war es so still wie im Stadion bei einer Schweigeminute. Dann legte er los. Und hatte die Gruppe in weniger als einer Minute komplett auf seiner Seite. Er redete druckreif und hatte dabei eine Präsenz, eine Ausstrahlung, Hammer! So was hatte ich noch nie erlebt.

Am nächsten Tag war ich dran und gab meinen Einführungsvortrag zum Besten. Es war der mieseste Vortrag aller Zeiten. Ich legte schlecht gemachte Folien auf einen Overhead-Projektor und stammelte dazu etwas herunter. Der Kontrast zur hohen Redekunst von Heinz Goldmann vom Vortag war so groß, dass es peinlich war. Meine Rettung waren meine Paten, die mich von ihren Plätzen aus anstrahlten und mir Mut gaben.

Hans-Uwe Köhler schrieb etwas auf und ich sah es. Ich Idiot ging ein paar Schritte zu ihm hin und sagte: »Herr Köhler! Gut, dass auch Sie mitschreiben!« Er schaute mich nur an und ich wusste: Fettnäpfchen! Anschließend gab es ein großes Palaver. Von meinem Vortrag her hätten sie mich nicht aufnehmen dürfen. Es gab aber einflussreiche Stimmen, die den Club verjüngen wollten. Am Ende setzte sich diese Gruppe durch, ich wurde aufgenommen. Aber die Gegner waren nicht gerade amüsiert: Wie kann das sein? Er war so schlecht und wird sofort aufgenommen? Welchen Sinn hat dann noch das Ritual der Einführungsvorträge? Die Qualitätsverfechter gaben mir unmissverständlich zu verstehen: Du bist keiner von uns! Hans-Uwe L. Köhler, sagte mir klipp und klar: Ich werde dich beobachten! Du bist noch nicht so weit! Ich behalte dich im Auge!

Heute weiß ich, dass HULK, wie wir ihn liebevoll nennen, in Wahrheit mein großer Förderer wurde. Er führte mich in die ungeschriebenen Regeln des Clubs ein und half mir, hinter die Fassade zu schauen und Frechheit durch Können zu ersetzen. Er erkannte schon damals mein Talent. Ich erntete in den folgenden Jahren so manch hartes aber ehrliches Feedback von ihm. Und ich erarbeitete mir nach und nach seine Anerkennung. Der beste Satz, den ich von ihm hörte: »Junge. Du bist jetzt alt und gut genug. Geh deinen eigenen Weg!« Von Heinz Goldmann bekam ich später nach Erscheinen meiner Verkaufsbibel »Das neue Hardselling« eine Glückwunschkarte. Ein Ritterschlag! Ich wurde wahrgenommen. Ich verdiente mir Respekt. Er schrieb, das Buch sei so gut, dass ich zwei daraus hätte machen sollen. Heute bin ich Vizepräsident des Club 55 und stolz auf diesen weiten Weg, den ich zurückgelegt habe … einmal sagte einer aus dem Club zu mir: Du bist unser Heinz Goldmann von heute. Wahnsinn!

Warum ich diese Geschichte erzähle? Weil sie sinnbildlich für so viele Situationen im Leben steht. Du kommst zwar weiter, wenn du die Ellbogen ausfährst und mit einer großen Klappe unterwegs bist – doch das reicht nicht, um am die Spitze zu gelangen. Du musst ständig an dir arbeiten, um immer besser zu werden. Und nichts ist dabei hilfreicher als konstruktive Kritik. Klar, niemand lässt sich gerne kritisieren. Ich musste auch erst mal lernen, mit Feedback richtig umzugehen. Heute weiß ich, dass die anderen beim Club es nicht böse mit mir meinten. Sie haben großen Anteil daran, dass ich heute der Martin Limbeck bin und nicht einer unter tausend austauschbaren Vertriebstrainern. Ich habe mir ihre Meinungen zu Herzen genommen und habe wie ein Besessener weiter an meinen Vorträgen und an meinem Auftreten gefeilt. Heute kann ich mich gar nicht genug dafür bedanken. Für dein Vorankommen ist ein ehrliches, kritisches Wort hundert Mal mehr wert als zehn schleimige Lobhudeleien. Ich habe einige echte Freunde unter den Mitgliedern des Club 55 gefunden und lege immer noch großen Wert auf Ihr Feedback zu dem, was ich tue.

Expertentipp Juni 2015

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Über Martin Limbeck

Martin Limbeck zählt zu den Spitzenverkaufstrainern und gilt als der Verkaufs-Experte im deutschsprachigen Raum. Er ist „Trainer des Jahres“ 2008 und 2011 und wurde zwei Mal mit dem Conga Award ausgezeichnet (2009 und 2010). Martin Limbeck erhielt 2012 den Preis als “International Speaker Of The Year 2012” und zudem wurde er zum „TOP SPEAKER Of The Year 2014“ ausgezeichnet. Hier geht es zur Webseite von Martin Limbeck.

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