Warum Erfolg nicht gleich Erfolg ist Hinterlassen Sie einen Kommentar

EXPERTEN-TIPP Mai 2015

Als Sieger hast du ja eigentlich keine Probleme, sondern nur Herausforderungen. Ich hatte aber trotzdem ein Problem: Ich spürte den Erfolg nicht. Das alles war innen hohl. Ich konnte die Erfolge gar nicht wirklich annehmen als etwas, das zu mir gehörte. Ich freute mich gar nicht besonders, feierte nie ernsthaft. Es fühlte sich an wie selbstverständlich.

Es fühlte sich an wie selbstverständlich. Du verkaufst wie ein Tier – völlig normal, ich mach halt meinen Job. Du stehst oben im Ranking – gut so, aber nichts Besonderes. Du verdienst einen Riesenhaufen Schotter – ist ja auch fair für das Geschufte.

Das heißt: Du bist wie ein Krug ohne Boden. Oben fließt das Wasser rein, aber du wirst niemals voll. Du musst immer weitermachen, immer mehr Abschlüsse, immer mehr Provision, immer mehr Erfolgserlebnisse – aber der emotionale Wasserstand in dir drin bleibt immer niedrig, der Pegel kann nie steigen. Das Schlimmste wäre, er würde fallen! Also gibst du weiter Gas. Und so wirst du ein Getriebener.

Als ich noch Verkäufer war, gab es für die Superergebnisse natürlich auch Incentives, die kleinen Karotten, die den Verkäufern vor die Nase gehalten wurden, damit sie rennen: hier eine Uhr, da eine Reise, dort ein Extrabonus und all der Kram. Die meisten lassen sich davon antreiben. Ich war schon längst darüber hinaus. Ich war so getrieben, dass mich das nie motiviert hat. Ich habe meinem Chef immer gesagt: Komm lass stecken, sammle die Kohle und schick mich damit auf ein Extratraining. Ich wollte nämlich immer noch besser werden. Das war der eigentliche Antrieb! Und der brachte mich auf eine irrsinnige Umdrehungsgeschwindigkeit. Ich sammelte in dieser Zeit die Erfolge so schnell ein, dass ich alle um mich herum abhängte. Also raste ich die Siegerstraße hinauf wie ein Bekloppter. Dementsprechend aufgemotzt war mein Sieger-Ego:

Ich war der mit der größten Klappe. Aber auch der mit am meisten dahinter.

Mein nach außen gekehrtes Monster-Ego war aber der direkte Spiegel meines Minderwertigkeitsgefühls im Innern. Nach außen gab ich den Sieger, dabei war ich ein Bündel Angst. Meine Klappe war in Wahrheit deshalb so groß, weil keiner sehen sollte, wie minderwertig ich mich fühlte. Und mein Fleiß und meine Hartnäckigkeit waren so groß, weil ich panische Angst davor hatte, dass mein Erfolg aufhört. Die alten Hasen sagten immer mit spöttischem Unterton: Jaja, Limbeck, warte nur. Jeder hat mal ein Loch. Du lehnst dich ganz schön weit aus dem Fenster. Irgendwann mal fällst du … Und weil mir das nicht passieren durfte, legte ich immer noch eine Schippe drauf. Ich kam aus einer engen, kleinen Welt und suchte eigentlich nur das Leben. Was ich fand, war der Erfolg. Nur ist das nicht dasselbe!

Weil ich kein anderes Maß hatte, nahm ich die Umsatzzahlen und leitete davon ab, dass ich ein Sieger war. Heute weiß ich, was wirklich Siegernummern sind: Wenn du mit dir im Reinen bist. Wenn du gefunden hast, was du liebst, und es geschafft hast, genau das jeden Tag zu tun. Wenn du mit dem Leben klar kommst. Wenn du eine stabile Familie aufgebaut hast. Wenn du intakte Beziehungen pflegst. Von all dem war ich damals noch meilenweit entfernt. Ich merkte, dass sich die Menschen um mich herum von mir abwendeten. Sie sprachen hinter meinem Rücken über mich. Heute weiß ich, dass ich spätestens an diesem Punkt die Alarmglocken hätte hören müssen. Doch stattdessen dachte ich nur, dass sie mir meinen Erfolg nicht gönnten. Darum wurde ich arrogant. So, wie meine Erfolge in einer immer steileren Aufwärtsspirale nach oben liefen, gingen meine Beziehungen zu den Menschen um mich herum in einer Abwärtsspirale nach unten. Wenn du an dieser Stelle bist, wirst du vielleicht mit den Schultern zucken und „Mir doch egal!“ denken – doch auf Dauer ist es das nicht. Was nützt dir der tollste Erfolg, wenn alles andere den Bach runtergegangen ist und niemand mehr da ist, mit dem du auf deinen nächsten Coup anstoßen kannst? Nur wenn du dich selbst jeden Morgen im Spiegel ansehen kannst, du deinen Job liebst und es in deinem Leben Menschen gibt, die dich auch ohne den ganzen Firlefanz schätzen, hast du es wirklich bis ganz an die Spitze geschafft.

 

Expertentipp Mai 2015

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Über Martin Limbeck

Martin Limbeck zählt zu den Spitzenverkaufstrainern und gilt als der Verkaufs-Experte im deutschsprachigen Raum. Er ist „Trainer des Jahres“ 2008 und 2011 und wurde zwei Mal mit dem Conga Award ausgezeichnet (2009 und 2010). Martin Limbeck erhielt 2012 den Preis als “International Speaker Of The Year 2012” und zudem wurde er zum „TOP SPEAKER Of The Year 2014“ ausgezeichnet. Hier geht es zur Webseite von Martin Limbeck.

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